Freddie berichtet aus La Palma, El Salvador

„El Salvador - Caffeine for the senses!“

…so lautet der Titel des Lonely Planets, die „Allzweckwaffe“ der Rucksackreisenden, für El Salvador. Ich hatte zuerst einen eher wissenschaftlichen Bericht geschrieben und habe mich dann entschieden, lieber einen persönlichen und subjektiven Erfahrungsbericht zu schreiben – so gut mir das gelingt.

Ich lebe jetzt seit ca. eineinhalb Monaten in La Palma einer kleinen Stadt in den Bergen im Dreiländereck – El Salvador, Honduras und Guatemala. Bereits auf meiner ersten Fahrt vom Flughafen der Hauptstadt San Salvador hier in den Norden fiel mir die ungleiche Landverteilung auf. Aus dem Auto sah ich große Zuckerrohrfelder, die intensiv gedüngt und in der Trockenzeit bewässert werden. Diese großen Flächen und Zuckerfabriken sind ein klares Zeichen für Großgrundbesitzer. Im Gegensatz zu denen der Kleinbauern mit welchen ich in dem Kaffeeprojekt zusammenarbeite. (Im 19Jh. weitete eine handvoll Großgrundbesitzer ihren Besitz aus und enteignete die Einheimischen. Zu Beginn des 20Jh. wurden 95% des BIP durch Kaffeeexporte erzielt, wobei nur 2% der Besitzer aus El Salvador stammten.)

Bei meinen ersten Fahrten in die Kaffeefelder in der Umgebung von La Palma konnte ich ziemlich schnell die Umweltprobleme des Landes erkennen, über die ich bis dahin nur gelesen hatte: Über 95% des Primärwaldes sind verschwunden, eine Folge der nicht nachhaltigen Landnutzung. Aktuell ist Regenzeit, d.h. man sieht die problematischen Folgen nicht auf den ersten Blick, weil durch die hohen Niederschläge alles grün ist. Aber man sieht an den Straßen abgerutschte Hänge, Weidewirtschaft in Höhen von weit über tausend Meter und vor allem sehr viele einjährige Kulturen wie zum Beispiel Mais, aber in größeren Dimensionen als das man auf eine Subsistenzwirtschaft verweisen könnte. Das Hauptproblem dieser einjährigen Pflanzen ist, dass sie zu Beginn der Trockenzeit geerntet werden und somit die ganzen Hänge freiliegen und sehr anfällig für Erosion sind. Eine Folge aus der Erosion ist, dass die Wasserspeicherkapazität des Bodens nachlässt, was wiederum dazu führt, dass im Folgejahr der Anbau erschwert wird und Raubbau an den Wasserressourcen des Landes betrieben wird. Über 90% der gesamten Energieversorgung werden von Wasserturbinen in großen Staudämmen bereitgestellt. Da die jährliche Durchflussmenge konstant abnimmt, gibt es zum Ende der Trockenzeit teilweise Energieengpässe und sogar Tage ohne Strom. Eine Entwicklung, die durch den Klimawandel verstärkt wird, aber aus der Landnutzung resultiert.

Da die hochproduktiven Flächen in den Ebenen zu großen Teilen Großgrundbesitzern gehören, leben viele Kleinbauern El Salvadors seit Generationen vom Kaffeeanbau in den Bergen. Die Kaffeeplantagen sind eine angepasste Nutzungsform an die natürlichen Gegebenheiten. Man findet eine große Anzahl an Schattenbäumen, Obstbäume und somit eine hohe Artenvielfalt. Kaffee ist eine mehrjährige Pflanze und somit ist der Boden das ganze Jahr bedeckt. Außerdem übernimmt der Kaffee teilweise die Funktion des Waldes – wie CO2 Fixierung und das Halten des Wasserspiegels. Aber da es vor allem für Kleinbauern sehr schwierig ist die notwendigen Investitionen zu tätigen, um die Plantagen zu unterhalten, suchen viele Bauern nach Alternativen wie dem Maisanbau oder der Weidewirtschaft. Der Maisanbau ist vor allem auf Grund der hohen Getreidepreise lukrativ. Die Auswirkungen spüre ich am „eigenen Leib“ denn nach 3 Tagen starker Regenfälle ist das Wasser der Flüsse braun und zu meinem anfänglichen Entsetzen auch das Leitungswasser. Dann ist es also bei sehr starken Regenfällen für zwei bis drei Tage quasi nicht möglich zu duschen.

Ein weiterer Effekt, der für das Land noch von größerer Bedeutung ist, sind die Verluste der potentiellen Gewinne aus dem Tourismussektor. Costa Rica ist das Land in Zentralamerika, was weltweit als großes Vorbild im Bereich Umweltschutz durch Tourismus gilt. In Costa Rica sind 69% der Fläche Nationalparks, in Guatemala 39% und in El Salvador 3%. Obwohl das Land mindestens genauso schöne Berge und Vulkane für Wander- und Klettertouren besitzt, was ich am Wochenende natürlich ausnutze.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote:
Ich hatte mich am Wochenende mit meinen Arbeitskollegen Jeanne, Maria und Edgar zum Wandern verabredet. Und wir sind auf einen wunderschönen Felsen geklettert, von dem man das Dreiländereck Honduras, Guatemala und El Salvador überblicken konnte. Dieser Platz dort oben auf dem Felsen ist wunderschön, der unglaubliche Ausblick, Adler nutzen die Thermik und kreisen um unsere Köpfe. Es gibt Kolibris, lauter kleine Echsen, die sich auf den Steinen wärmen – diese Vielfalt ist unheimlicher Reichtum denke ich. Leider lag dort überall sehr viel Müll, ich störte mich nicht sonderlich daran und sonnte mich. Als ich irgendwann den Kopf hob, sah ich Maria und Edgar wie sie den Müll aufsammelten und in Tüten packten. Nach ca. einer halben Stunde hatten sie das Gröbste aufgeräumt und es sah alles noch viel schöner aus. Irgendwie ein tolles Erlebnis und für mich ein Indiz für ein vorhandenes Umwelt- und vielleicht auch Nachhaltigkeitsbewusstsein.

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Joachim Frederik Tipp (pdf) arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Nachhaltigen Kaffeeanbau im Wassereinzugsgebiet des Rio Lempa sichern” (pdf) für die Hanns R. Neumann Stiftung in Hamburg, Deutschland und La Palma, El Salvador.

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