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22.8.2008 von admin.
Kao San Road in Bangkok, “Centre of the Backpacker Universe”, 4 Uhr Morgens. Der Club „Gazebo“ ist nicht verraucht. Moderne thailändische Antirauchergesetze verbieten es. Ich bin in einer Gruppe von Expats und Locals unterwegs. “Expats” und “Locals” – Wörter aus dem Fachjargon eines Auslandsaufenthalters. “Expat” oder Ex-Patriot ist die gängige Bezeichnung für Ausländer in Entwicklungsländern. Also im Unterschied zu Touristen, Menschen die auf Dauer dort wohnen und ihren Lebensunterhalt verdienen. “Local”, zu Deutsch Einheimischer, ist dagegen die Pauschalbezeichnung für Einwohner der Zielländer der genannten Gruppen, egal ob es sich dabei um Thailänder, Bangladeschis oder Peruaner handelt. Französische, Australische oder Deutsche Locals scheinen dagegen nicht zu „Locals“ zu taugen. Und das nicht weil deren Herkunftsländer keine beliebten Ziele für Touristen oder Auswanderer wären. Genau so wenig gibt es bei uns „Expats“ aus Entwicklungsländern. Sie sind „Ausländer“.
Die Essenz des „Expats“ ist, dass er wenig bis keine Anstalten macht, sich wirklich in das Zielland zu integrieren und seine Verwendung des Begriffs „Local“ Symptom geringen Interesses. Den Expat Freunden wird von Unternehmungen mit „Locals“ berichtet, keine Namen, keine Hintergründe, anonym und austauschbar, scheinbar die Vermutung, diese interessierten den Gegenüber genau so wenig wie einen selbst. Es kommt mir vor wie eine neue Rand-Klassengesellschaft der Globalisierung; die Expats als Klasse unter sich, fortschrittliche Elite mit passendem elitistischem Gebaren; samstags in den verschiedenen Clubs: German Club, French Club und andere in schöner kolonialer Tradition stehende Institutionen der Abgrenzung.
Dieser Gegensatz ist nichts anderes als ein weiterer Ausdruck globalisierter Ungleichheit(en) und ein recht banaler Vertreter dieser omnipräsenten Gattung. Aber innerhalb der farbig beleuchteten Clubräume des „Gazebo“ ist er in reiner und brutal exponierter Form präsent: Expats und Locals, maskulin und feminin, Wohlstand und Bedürftigkeit treffen in eben diesen Paarungen aufeinander. Das Etablissement, weit davon entfernt, ein Bordell im eigentlichen Sinne zu sein, ist eine Kontaktbörse für „maskulin, wohlständiger Expat“ und „weibliches & hübsches Local-Mädchen“. Beide kommen in Gruppen. Ihre Motive könnten unterschiedlicher kaum sein: Expats und Touristen freuen sich über „leichte Beute“ – Thai Frauen über ihre (geringe) Chancen bei der Gewinnziehung mit Hauptgewinn Flugticket: Männliche Einheimische fehlen völlig im Bild, auf Nachfrage, weil ihnen Eintritt und Getränke dort zu teuer sind – Man stelle sich das Gegenstück in Deutschland vor.
Thailand ist kein typisches Entwicklungsland mehr. Mit einem BIP pro Kopf von knapp 8000 USD hat es bereits den Status eines Schwellenlandes erreicht. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, werden vielleicht in Zukunft Thailänder nicht länger nur Locals sondern einfach Thais sein. Vielleicht muss man dann im „Gazebo“ als Ausländer draußen bleiben.
Nachhaltigkeit heißt nicht nur Umwelt- und Ressourcenschutz. Soziale Nachhaltigkeit ist mindestens gleichberechtigt, und, das könnte uns diese Beschreibung vielleicht vor Augen führen, fängt ganz genau so bei jedem Einzelnen an. – Oder eben nicht. Gerade wo viele der Expats Menschen sind, die in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv sind; gerade wenn diese als Partner auftreten wollen, nicht mehr als göttliche Helfer; gerade wenn sie mit ihren Plädoyers für Empowerment und Ownership an die Kompetenz und Eigenverantwortung der Partner appellieren, dürfen sie nicht im Gegenzug durch ihr alltägliches Verhalten ständig das Gegenteil demonstrieren, denjenigen mangelnden Respekt zur Schau stellen, der zu Opferrollen oder Ablehnungshaltung führt.
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Tobias Baedeker arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Public Private Partnership für Sozial- und Ökostandards in der Gebrauchsartikelindustrie unterstützen” (pdf) für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn, Deutschland und Bangkok, Thailand. Das Public Private Partnership Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Tchibo GmbH durchgeführt.
Geschrieben in Thailand (Tobias) | Keine Kommentare »