Eigentlich wollten wir einen Beitrag über unsere Erfahrungen der Mülltrennung in Peru schreiben. Leider lässt sich zu diesem Thema kaum etwas Nennenswertes sagen, da so ein System praktisch nicht existent ist. So schreiben wir über kleine Eindrücke aus unserer momentanen Wahlheimat Piura.
Auch wenn Piura praktisch inmitten einer Wüstenlandschaft liegt, gibt es immer wieder an einzelnen kleinen Stellen Grünflächen, die mühsam bewässert werden. So wirkt die Stadt ein wenig surreal. Vor allem wenn sich rund um die Stadt ein großer Müllgürtel zieht, da der Müll einfach auf einer freien Fläche vor der Stadt abgelagert wird und somit durch die Winde in alle Richtungen zerstreut wird. Innerhalb des Stadtkerns und in einzelnen urbanen Siedlungen wird dennoch versucht dem Müll und dem Sand Herr zu werden. Auch wenn der Aufwand auf den ersten Blick unsinnig erscheint, freut man sich dennoch über eine einigermaßen saubere Straße. Wenngleich man nicht darüber nachdenken sollte, wo der eben weggeschaufelte Müll denn landet. Klar darf man da gar nicht erst an Mülltrennung oder ähnliches Denken. Aber auch hier gibt es kleine Wunder, die sicherlich wirtschaftlichen Interessen dienen, aber gleichzeitig öko-ökonomisch sind. In der nächst größeren Stadt Sulliana gibt es eine Fabrik, die die leeren Plastikflaschen annimmt und wieder verwertet.
Wir treten täglich den Kampf gegen die Plastiktüten an, auch wenn es ein gar unsiegbarer Kampf zu sein scheint. Jeder Verkäufer scheint offenbar eine große Freude daran zu haben, alles doppelt und dreifach in Plastik und Papier einzupacken. Als wenn es einen Preis dafür geben würde. Allerdings damit konfrontiert zu werden, wenn einer mal keine Plastiktüten haben mag, ist ein nahezu außerirdisches Phänomen und ruft immer wieder fragende Gesichter hervor. Als würden sie uns nicht verstehen, packen sie uns ignorierend doch alles ein.
Carne, pollo! Eine uns täglich bewegende Frage bleibt jedoch: Wie es möglich ist, selbst bei den unteren Bevölkerungsschichten von der Produktion, Gesundheit und finanziellen Mitteln her, morgens, mittags und abends Fleisch zu essen? Peruaner haben irgendwie Schwierigkeiten sich Essen ohne Fleisch vorzustellen. Auch wenn wir hier feststellen, dass man in Lateinamerika mit gutem Gewissen Fleisch essen kann, da wir nur glückliche Kühe und freilaufende Hühner in den Bergen gesehen haben, wobei diese den enormen Bedarf der Bevölkerung bei weitem nicht stillen können…
Wenn man mal auf ganz kleiner Ebene schaut, dann schmunzelt man doch immer mal wieder und freut sich zum Beispiel über Energiesparlampen, die es immer wieder an unerwarteten Orten gibt; kaltes Wasser zum Duschen, da nur einmal täglich das Wasser erhitzt wird und somit Energie gespart wird; oder wenn man an einem Workshop zur Bio-Zertifizierung von Kakao, Kaffee und Zuckerrohr teilnimmt und eine blühende Diskussion zum Thema Müllmanagement im Dorf aufkommt. Und sich die Bauern darüber streiten, dass sie zwar ihre Plantagen sauber halten können, aber auch an ihre Grenzen stoßen, wenn andere Dorfbewohner achtlos ihren Abfall in den Fluss oder auf die Straße schmeißen. Erfreuliches aus den Supermärkten: Man kann kaum Produkte aus der Tiefkühltheke erstehen und der Anteil der importierten Produkte ist geringer als in europäischen Supermärkten – was ja im weiteren Sinne dem CO2-Ausstoß zugute kommt und somit auch der Nachhaltigkeit.
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Anita Augustin (pdf) und Eva Ringhof (pdf) arbeiten im Rahmen ihrer Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Anpassungsstratgien an den Klimawandel im Kaffee-/Teesektor” für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn, Deutschland und Piura, Peru. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier: “Adaptation for Smallholders to Climate Change” (AdapCC).