Archive für 29.7.2008

Jan berichtet aus Dhaka, Bangladesh

4 Wochen in einem Land, das keine Ruhe und keine Ordnung kennt. 4 Wochen in einem Land mit lächelnden Menschen und tollen Erlebnissen. 4 Wochen in einem der ärmsten Länder der Welt, das in aller Regelmäßigkeit von Naturkatastrophen heimgesucht wird, und akut vom steigenden Meeresspiegel und von abschmelzendem Gletscherwasser bedroht ist. Das sind die ersten 4 Wochen Bangladesch in meinem Leben.

Das Thema Nachhaltigkeit ist der Kern unseres Programms und so dreht sich auch dieser Blog um das Thema Nachhaltigkeit.

Es fällt mir nicht leicht ein derart umfassendes Thema nach 4 Wochen für ein fremdes Land, für eine fremde Kultur zu bewerten. Dennoch möchte ich meine ganz persönlichen Erlebnisse und Eindrücke zu Papier bringen und sie in diesem Blog veröffentlichen. Kurz zur aktuellen Situation des Landes:
Bangladesch besitzt seit nunmehr 1 ½ Jahren eine Übergangsregierung, die versucht die dringendsten Probleme des Landes in den Griff zu bekommen. Für Dezember sind die Parlamentswahlen angesetzt. Die Wählerverzeichnisse sind fertig, nur überlegen derzeit noch die großen Parteien, ob sie an der Wahl teilnehmen sollen. Langfristige Fragestellungen zu diskutieren, erscheint aufgrund der täglichen Probleme nahezu unmöglich, zunächst muss die Stabilität des Staates gesichert sein.

Doch dies ist, wie so oft im Leben, nur die eine Hälfte der Wahrheit. In den Tageszeitungen befinden sich zu meiner Überraschung täglich Artikel zum Thema ‚Climate Change’, Verstädterung oder Energie- und Lebensmittelpreise. Auch in Gesprächen mit Bangladeschis bin ich immer wieder erstaunt, wie präsent ihnen das Thema Klimawandel ist. Mit etwas mehr Hintergrundwissen scheint dieser Sachverhalt jedoch klar: Bangladesch ist eines der sensibelsten Länder, was den Klimawandel angeht. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 1,5 m würde 16 % der Landfläche unbewohnbar machen. Mehr als 15 Millionen Menschen müssten im dichtbesiedelsten Flächenstaat der Welt ihren Wohnort wechseln. Jeder Bangladeschi sollte aus reinem Eigennutzen ein Interesse an der Stabilität des Klimas besitzen.

Dennoch, im alltäglichen Leben sind viele Verhaltensweisen zu beobachten, die nicht unserem Verständnis von nachhaltiger Lebenseinstellung entsprechen.
• Regelmäßige Stromausfälle zwingen Haushalte und Unternehmen dazu, die Energieversorgung teilweise, oder gar vollständig über Diesel- oder Gasgeneratoren laufen zu lassen. Dies bedeutet schlechtere Emissionswerte als bei der Nutzung der öffentlichen Stromversorgung, die Dieselgeneratoren verschmutzen zudem direkt die Luft in der Innenstadt.
• Viele Autos entsprechen nicht den aktuellen Standards und emittieren deutlich mehr umweltschädliche Gase. Besonders die Busse des öffentlichen Nahverkehrs fallen durch düstere Abgaswolken aus ihren Auspuffrohren auf.
• Kinder müssen um die Haushaltskasse aufzubessern für 3 Euro im Monat arbeiten gehen. Für eine grundlegende Schulbildung ist in diesem Alltag kein Platz. Ihnen bleibt der soziale Aufstieg bereits ab der jüngsten Kindheit verwehrt.

Doch wieder zurück zum Klimaschutz: Trotz der offensichtlichen Mängel stellt sich immer noch die Frage, und sie wird einem auch von Gesprächspartnern hier vor Ort gestellt: „Wer ist denn verantwortlich für den bisherigen Klimawandel und wer muss seinen Lebensstil anpassen?“ Die nicht unbegründete Meinung der Menschen hier vor Ort sieht die westliche Welt in der Pflicht zu handeln.

Nichts desto trotz macht diese Erkenntnis natürlich keinen frei davon, aus den gemachten Fehlern der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Von daher sollten bei allem Respekt vor den Bedürfnissen einer sich entwickelnden Gesellschaft auch darauf hinweisen, dass insbesondere nachhaltige Entwicklung langfristig mehr Wohlstand bringen wird. Als Partner können wir unterstützend tätig werden und angemessene Vorschläge zur nachhaltigen Entwicklung unterbreiten. Nachhaltig muss vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme manchmal, auch wenn es widersprüchlich erscheint, in kleinen Schritten gedacht werden. Die Schritte mögen klein sein, aber der Weg ist begehbar.

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Jan Schmitz (pdf) arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Energieeffizienz in Lieferketten der Textilindustrie fördern” (pdf) für Systain Consulting in Hamburg, Deutschland und Dhaka, Bangladesh.

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