Archive für Juli 2008

Jan berichtet aus Dhaka, Bangladesh

4 Wochen in einem Land, das keine Ruhe und keine Ordnung kennt. 4 Wochen in einem Land mit lächelnden Menschen und tollen Erlebnissen. 4 Wochen in einem der ärmsten Länder der Welt, das in aller Regelmäßigkeit von Naturkatastrophen heimgesucht wird, und akut vom steigenden Meeresspiegel und von abschmelzendem Gletscherwasser bedroht ist. Das sind die ersten 4 Wochen Bangladesch in meinem Leben.

Das Thema Nachhaltigkeit ist der Kern unseres Programms und so dreht sich auch dieser Blog um das Thema Nachhaltigkeit.

Es fällt mir nicht leicht ein derart umfassendes Thema nach 4 Wochen für ein fremdes Land, für eine fremde Kultur zu bewerten. Dennoch möchte ich meine ganz persönlichen Erlebnisse und Eindrücke zu Papier bringen und sie in diesem Blog veröffentlichen. Kurz zur aktuellen Situation des Landes:
Bangladesch besitzt seit nunmehr 1 ½ Jahren eine Übergangsregierung, die versucht die dringendsten Probleme des Landes in den Griff zu bekommen. Für Dezember sind die Parlamentswahlen angesetzt. Die Wählerverzeichnisse sind fertig, nur überlegen derzeit noch die großen Parteien, ob sie an der Wahl teilnehmen sollen. Langfristige Fragestellungen zu diskutieren, erscheint aufgrund der täglichen Probleme nahezu unmöglich, zunächst muss die Stabilität des Staates gesichert sein.

Doch dies ist, wie so oft im Leben, nur die eine Hälfte der Wahrheit. In den Tageszeitungen befinden sich zu meiner Überraschung täglich Artikel zum Thema ‚Climate Change’, Verstädterung oder Energie- und Lebensmittelpreise. Auch in Gesprächen mit Bangladeschis bin ich immer wieder erstaunt, wie präsent ihnen das Thema Klimawandel ist. Mit etwas mehr Hintergrundwissen scheint dieser Sachverhalt jedoch klar: Bangladesch ist eines der sensibelsten Länder, was den Klimawandel angeht. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 1,5 m würde 16 % der Landfläche unbewohnbar machen. Mehr als 15 Millionen Menschen müssten im dichtbesiedelsten Flächenstaat der Welt ihren Wohnort wechseln. Jeder Bangladeschi sollte aus reinem Eigennutzen ein Interesse an der Stabilität des Klimas besitzen.

Dennoch, im alltäglichen Leben sind viele Verhaltensweisen zu beobachten, die nicht unserem Verständnis von nachhaltiger Lebenseinstellung entsprechen.
• Regelmäßige Stromausfälle zwingen Haushalte und Unternehmen dazu, die Energieversorgung teilweise, oder gar vollständig über Diesel- oder Gasgeneratoren laufen zu lassen. Dies bedeutet schlechtere Emissionswerte als bei der Nutzung der öffentlichen Stromversorgung, die Dieselgeneratoren verschmutzen zudem direkt die Luft in der Innenstadt.
• Viele Autos entsprechen nicht den aktuellen Standards und emittieren deutlich mehr umweltschädliche Gase. Besonders die Busse des öffentlichen Nahverkehrs fallen durch düstere Abgaswolken aus ihren Auspuffrohren auf.
• Kinder müssen um die Haushaltskasse aufzubessern für 3 Euro im Monat arbeiten gehen. Für eine grundlegende Schulbildung ist in diesem Alltag kein Platz. Ihnen bleibt der soziale Aufstieg bereits ab der jüngsten Kindheit verwehrt.

Doch wieder zurück zum Klimaschutz: Trotz der offensichtlichen Mängel stellt sich immer noch die Frage, und sie wird einem auch von Gesprächspartnern hier vor Ort gestellt: „Wer ist denn verantwortlich für den bisherigen Klimawandel und wer muss seinen Lebensstil anpassen?“ Die nicht unbegründete Meinung der Menschen hier vor Ort sieht die westliche Welt in der Pflicht zu handeln.

Nichts desto trotz macht diese Erkenntnis natürlich keinen frei davon, aus den gemachten Fehlern der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Von daher sollten bei allem Respekt vor den Bedürfnissen einer sich entwickelnden Gesellschaft auch darauf hinweisen, dass insbesondere nachhaltige Entwicklung langfristig mehr Wohlstand bringen wird. Als Partner können wir unterstützend tätig werden und angemessene Vorschläge zur nachhaltigen Entwicklung unterbreiten. Nachhaltig muss vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme manchmal, auch wenn es widersprüchlich erscheint, in kleinen Schritten gedacht werden. Die Schritte mögen klein sein, aber der Weg ist begehbar.

—————

Jan Schmitz (pdf) arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Energieeffizienz in Lieferketten der Textilindustrie fördern” (pdf) für Systain Consulting in Hamburg, Deutschland und Dhaka, Bangladesh.

Die Reise beginnt…

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir heißen Sie herzlich willkomen auf dem Blog der TeilnehmerInnen des Pilotprojekts “Young Leaders for Sustainability” (YLS). Seit März 2008 bietet das Collective Leadership Institute e.V. (CLI) gemeinsam mit dem ASA-Programm der InWEnt gGmbH das berufsvorbereitende Qualifizierungsprogramm „Young Leaders for Sustainability“ an. Es richtet sich an Studierende und fördert den Aufbau von Führungskompetenz für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR). Partner aus der Wirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit, die sich aktiv an der Umsetzung des Pilotzyklus in 2008 beteiligen sind u. a. die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ), Ernst & Young AG, German ProfEC GmbH, Hanns R. Neumann Stiftung / EDE Consulting GmbH, die Stadtwerke Mainz AG, Systain Consulting GmbH und Tchibo GmbH.

Seit Mitte Juli sind wir, die elf TeilnehmerInnen des YLS Jahrganges 2008, nun im Ausland. Aus unseren Ländern und Projekten werden einige von uns an dieser Stelle berichten. Unsere Beiträge befassen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und ihrer konkreten Umsetzung beziehungsweise der Grenzen derselben in den Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen wir in den nächsten 3 Monaten leben und arbeiten werden.

Wir freuen uns jederzeit mit Ihnen in einen Dialog zu treten! Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion oder kontaktieren Sie uns per Email.

Eine interessante und anregende Lektüre wünschen Ihnen die TeilnehmerInnen des YLS Jahrganges 2008 aus den folgenden Ländern…


View Larger Map

Weitere Informationen zum Young Leaders for Sustainability Programm sowie den einzelnen Projekten und TeilnehmerInnen finden Sie auf unserer Homepage: www.youngleadersforsustainability.de

|