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24.10.2008 von admin.
Die Erfahrungen der elf TeilnehmerInnen des ersten Jahrganges des „Young Leaders for Sustainability“ an dieser Stelle kurz zusammenzufassen wäre unmöglich. Zu unterschiedlich sind ihre akademischen Hintergründe, zu verschieden die Projekte und Länder in denen sie gearbeitet haben und zu vielseitig sind ihre Ambitionen für die Zukunft. Hinter Ihnen liegen intensive Monate, in denen Sie sich im In- und Ausland mit den Chancen und Herausforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung aus den verschiedensten Blickwinkeln beschäftigt haben. Auf diesem Blog haben die TeilnehmerInnen einige ihrer Erfahrungen dokumentiert.
Gerne würden wir Ihnen die Perspektiven die Sie dabei gewonnen haben, die Netzwerke die sie kennen gelernt haben und die Erfahrungen die sie gemacht haben, im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Pilotzyklus des „Young Leaders for Sustainability“ Programms im Detail vorstellen.
Die Veranstaltung mit dem Titel „Der Mensch als Erfolgsfaktor für unternehmerische Verantwortung – Nachhaltigkeitskompetenz als Schlüssel zum Erfolg“ findet am 18.11.2008 von 10.00 – 14.30 Uhr im großen Konferenzsaal des Internationalen Bildungszentrums InWent (Stresemannstraße 92, 10963 Berlin) statt.
Das Programm und Anmeldeformular finden Sie hier:
Programm & Anmeldeformular (pdf)
Wir würden uns sehr über Ihre Teilnahme freuen!
Geschrieben in *Wir laden Sie ein...* | 1 Kommentar »
25.9.2008 von admin.
Es regnet dicke Fäden. Meine Unterschenkel sind bereits nach wenigen Minuten völlig durchnässt. Ich ziehe meine Kapuze tiefer in das Gesicht. Es ist ein Samstag in Kapstadt und die so genannte „City Bowl“ ist trotz des Unwetters sehr belebt. Vor einigen Jahren bestand noch die Befürchtung, die Stadtmitte würde „austrocknen“. Daraufhin gründete sich der „Cape Town Partnership“ mit dem Ziel, das Stadtzentrum zu entwickeln, zu managen und zu bewerben, um Investoren anzuziehen. Der Erfolg der Initiative ist sogar an diesem tristen Wintertag deutlich sichtbar. Die City Bowl am Fuße des vernebelten Tafelberges ist voller Menschen, die kaufen und verkaufen. Allerdings sind nicht nur Handeltreibende unterwegs. Unter die Vordächer der Ladenzeilen pressen sich gemischte Menschentrauben: Neben die Hausfrau mit Pick’n Pay-Tasche zwängt sich ein hipper Jugendlicher mit Goldkettchen genauso wie ein alter Mann mit Wolldecke um die Schultern und einer Plastiktüte auf dem Kopf - so stehen wir neben einer überdimensionalen Woolworths-Reklame und warten alle gemeinsam darauf, dass der Regen schwächer wird. Mir erscheint diese Szene absurd, denn die Kontraste sind so stark - hier prallen tatsächlich Welten aufeinander.
In Europa steht Nachhaltigkeit bereits seit längerer Zeit auf der Agenda multinationaler Unternehmen wie Woolworths. Doch welchen Stellenwert nimmt das Thema in Südafrika ein? Verlässt man die pulsierende City Bowl stadtauswärts, wandelt sich das Bild und man erblickt heruntergekommene Vorortsiedlungen, die entlang der Autobahn schließlich nahtlos in Langa, Nyanga und all die anderen Wellblechsiedlungen übergehen. Die Spuren der Apartheid werden besonders in den Townships allzu deutlich sichtbar. Ein Teil der südafrikanischen Gesellschaft lebt hier selbst über zehn Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid immer noch in einer Spirale aus Armut und Machtlosigkeit. Ebenso wie die Gesellschaftsstruktur ist auch der südafrikanische Markt fragmentiert und von Extremen geprägt.
Entwicklung an sich ist kritisch – wie kann sie nachhaltig gestaltet werden?
Die Liste der Herausforderungen in Südafrika ist lang: Armut, hohe Arbeitslosigkeit, bedrohte Existenzgrundlagen, zu wenige Häuser, unzureichende Versorgung mit grundlegender Infrastruktur (beispielsweise mit sanitären Anlagen), unkontrollierte Verstädterung, die Ausbreitung von HIV/Aids, Umweltverschmutzung - diese Aufzählung ließe sich fortsetzen. Als sich in den ersten Jahren nach dem Ende der Apartheid die junge Demokratie auf Richtungssuche befand, waren viele Unternehmen nervös, denn sie befürchteten radikale wirtschaftliche Veränderungen. Man war dazu gezwungen neue Prioritäten zu setzen. Allerdings bestanden Unsicherheiten darüber, bis zu welchem Grad Transformationen erforderlich seien. Insbesondere große Industrieanlagen hatten während der Apartheid schwere Umweltschäden angerichtet und die Gesundheit der meist schwarzen Arbeiterschaft in Mitleidenschaft gezogen. Viele von ihnen lebten in unmittelbarer Nähe ihrer Arbeitsstätte und litten nicht nur unter schlechten Arbeitsbedingungen, sondern waren ebenso von Umweltverschmutzung betroffen.
Noch heute sind Umweltauflagen nur schwer durchsetzbar, was teilweise daran liegt, dass Regulierungen fragmentiert sind und es zur Umsetzung bestehender Gesetzgebung an Kapazität fehlt. Viele Unternehmen wissen das und vertrauen darauf.
Auf der anderen Seite stehen Nachhaltigkeitspioniere in Südafrika vor der Herausforderung, Managementsysteme zu etablieren, die die sich teilweise überlappenden Elemente nachhaltiger Entwicklung effektiv koordinieren.
Ein Blick auf die Liste der Herausforderungen lässt auch erahnen, dass die Bekämpfung eines Problems die Gefahr birgt, ein anderes zu verschlimmern.
Der Manager einer großen Bergbaugesellschaft fragte vor einigen Jahren: „We have a mine that cannot pay for environmental standards but provides 6000 jobs - what do you do, close it down? “
Über ein ähnliches Dilemma berichtete vor drei Wochen ein Artikel in der Wochenzeitung Mail&Guardian. Eine große Bäckerei warb damit, dass sie von nun an ihre Produkte in biologisch abbaubaren Plastiktüten vertreiben werde. Angesichts der Müllansammlungen, insbesondere neben und in den Townships, ist diese Entwicklung zu begrüßen. Die Recyclingindustrie und die Gewerkschaften protestierten allerdings heftig gegen diese Neuheit, denn sie befürchteten den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze - ein Dilemma, das es zu lösen gilt.
Gerade im Hinblick auf Umweltbelange ist Nachhaltigkeit in Südafrika kompliziert. Ein weiteres Beispiel ist der jüngst selbst in Europa in die Schlagzeilen geratene Energieriese Eskom, der weiterhin Kohle niedrigster Qualität verbrennt, um daraus erschwinglichen Strom zu gewinnen. Vergeblich sucht man hier nach „grünem Strom“, obwohl das Potential gerade für die Nutzung von Wind-, Wasser- oder Solarkraft so groß ist.
Eine gute Nachricht überbrachte mir vor kurzem der Manager eines kleinen Startups: In den Townships gibt es nächtliche Straßenbeleuchtung und zwar aus Energiesparlampen! Er muss es wissen, denn er hat die Birnen importiert. Ich frage ihn, warum Entwicklung in Afrika nicht vermehrt nachhaltig gestaltet wird und hätte mir die Antwort denken können - Entwicklung ist teuer und nachhaltige Entwicklung ist noch teurer.
Allerdings gibt es auch gelungene Beispiele, wie die „Business against Crime“ Initiative, in der sich zahlreiche Unternehmen zusammengeschlossen haben, um der unterbezahlten und schlecht ausgebildeten südafrikanischen Polizei zusätzliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen.
Nachhaltige Entwicklung basiert auf Sicherheit und eine derartige Initiative investiert in diese Vision.
Kleine, langsam Früchte tragende Erfolgsgeschichten stecken auch in dem Engagement vieler - zumeist größerer - Unternehmen rund um HIV/Aids. Nachdem der Staat in diesem Feld versagt hat - man denke an Zumas Hinweise zu Duschverhalten und Tshabalalas Knoblauchtipps - investieren Unternehmen weiterhin in die Aufklärung und Behandlung ihrer Mitarbeiter sowie angeschlossener sozialer Netzwerke. Unternehmerischer Eigennutz verbindet sich hier gewinnbringend mit Belangen nachhaltiger Entwicklung - ein Modell mit Zukunft!
Zurück in Kapstadt stehe ich auf einer Verkehrsinsel vor dem Groote Schuur Krankenhaus, jener Institution in der die weltweit erste Herztransplantation stattgefunden hat. Ich bin in die Rush Hour geraten und auf der Hauptverkehrsader herrscht Chaos. Minibusse umfahren in waghalsigen Manövern jedes Hindernis, das ihnen den Weg versperrt. Auf der Straße werden die bereits erwähnten Kontraste sichtbar, denn hinter dem vorbei schleichenden, überladenen Golden Arrow Bus drängt sich das neuste Modell des VW Polo. So manches Gefährt klappert, schnauft oder rußt und wäre in Deutschland niemals durch den TÜV gekommen. Hier herrscht ein anderer Grundsatz: Hauptsache, es fährt - nicht Zeit, sondern Mobilität ist Geld und damit häufig entscheidend für das Überleben. Die graue Wolke aus dem Auspuff des Golden Arrow Bus steht dafür, was in Europa seit längerem gepredigt wird: Wir können nicht mehr warten! Doch wenn ich das Treiben betrachte, wird mir leider klar, dass es utopisch wäre, morgen ein globales Plakettensystem einzuführen. Golden Arrow dürfte sich dann nicht mehr in der Stadt bewegen und ihm gleich verschwänden viele andere Fahrzeuge ebenso wie lauter Menschen, die von diesen billigen, dreckigen und teilweise unsicheren Transportmöglichkeiten abhängig sind. Es blieben nur noch grün plakettierte VW Polos übrig.
Mir fällt das Fazit eines Artikels ein, auf den ich vor kurzem gestoßen bin: „Poverty must be seen as being among southern Africa´s top environmental issues because without attention to human wellbeing, desperate humans will impact their environment simply in order to survive.”
Nachhaltige Entwicklung in Südafrika ist unerlässlich und möglich, vereinzelte Beispiele zeigen dieses. Allerdings brauchen derartige Veränderungen Zeit und im Vergleich zu Europa andere, an die Gegebenheiten angepasste Umsetzungskonzepte.
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Inga Schlamann (pdf) arbeitet im Rahmen ihrer Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Analyse von Multi-Stakeholder-Partnerschaften” für Collective Leadership Institute e.V. in Berlin, Deutschland und Kapstadt, Südafrika.
Geschrieben in Südafrika (Inga) | Keine Kommentare »
18.9.2008 von admin.
Auf der Suche nach einer saftigen Mango
Wenn man durch Mumbais Straßen läuft, die Kleidung feucht auf der Haut klebt und man auf der Suche nach einer saftigen Mango in den nächsten Markt einbiegt, erwartet einen ein farbenfrohes Spektakel, ein anstrengendes Gewusel und die geschäftstüchtigen Gesichter von hunderten Händlern. Bekanntes und exotisches Gemüse ist geschickt gestapelt. Mangos, Bananen, Kokosnüsse und Chikus lächeln einen an und Getreide und Reis stehen in riesigen Säcken zum Verkauf. Man könnte meinen im Paradies angekommen zu sein.
Aber eigentlich ist es ja nur ein Markt. Eben ein indischer Supermarkt, der zu Recht das Präfix „super“ im Namen trägt. Und: Es ist ein Paradies, das sich Millionen von Indern nicht leisten können und dessen reichhaltiges Angebot langfristig gefährdet ist. Warum?
Indien gilt mit 1,1 Milliarden Menschen als die größte Demokratie der Welt und stellt damit etwa 17% der Weltbevölkerung dar. Und wenn die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 tatsächlich auf 9 Milliarden ansteigt, wird Indien sicherlich einen stattlichen Beitrag dazu leisten, auch wenn die Wachstumsraten rückläufig sind. So viele Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen war, ist und wird aber eine der größten Herausforderungen für Indien bleiben. Die weltweiten ökologischen Krisen und der Klimawandel erschweren dies noch weiter.
Der Anfang September veröffentlichte Millennium Development Goals Report (pdf) enthält die neuesten Armutsdaten für Indien. Die Tatsache, dass Indien gegenüber 1990 den Anteil derer, die von weniger als $1,25 pro Tag leben, von 51% auf 42% senken konnte, stimmt zunächst positiv. Der Bericht warnt aber davor, dass die weltweit stark ansteigenden Preise für Agrarrohstoffe Millionen von Menschen wieder unter die Armutsgrenze drücken könnten. Denn Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die einen Großteil ihres Einkommens für den Kauf von Nahrungsmitteln aufwenden, sind von diesen Preisanstiegen besonders stark betroffen.
Aber auch in Industrieländern führt der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise in diesem Jahr zu teilweise bizarren Konsequenzen. Ende August haben in England die ersten Filialen von Supermarktketten Nahrungsmittel, wie z.B. Bio-Fleisch, mit elektronischen Sicherheitsetiketten versehen, weil auf Grund der höheren Preise eine Zunahme der Diebstähle zu verzeichnen war.
Derweil gehen Länder wie Saudi-Arabien international auf Einkaufstour und kaufen im Mittleren Osten, in Asien und Afrika fruchtbare Agrarflächen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die letztes Jahr 85% ihrer Nahrungsmittel importiert haben, tun es ihnen gleich. Und obwohl circa 60% der indischen Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor tätig ist und Indien sehr viel fruchtbare Ackerfläche besitzt, hat die indische Regierung, gemeinsam mit mehreren indischen Unternehmen nun ähnliche Pläne veröffentlicht. In den Nachbarstaaten und so fernen Ländern wie Paraguay möchte Indien landwirtschaftlich nutzbare Flächen erwerben, um die langfristige Ernährungssicherheit der Bevölkerung sicherzustellen.
Und wie genau hängen jetzt eigentlich die globalen Preisanstiege, mit dem englischen Bio-Huhn mit Sicherheitsetikett und dem Hunger der Armen in Indien zusammen?
Das sind komplizierte Fragen und auch wenn es darauf keine einfache Antwort gibt, wird klar, dass sie zusammenhängen. Die Abhängigkeiten und Wirkungsketten zwischen den verschiedenen Ebenen unseres Handels sind längst nicht mehr einfach nachzuvollziehen. Und wer es wagt, unbequeme Fragen zu stellen, wird selten mit einer befriedigenden, unkomplizierten Antwort belohnt. Bin ich mit meinem Fleischkonsum mitverantwortlich für den Klimawandel? Ist es jetzt wirklich besser Fairtrade Produkte aus Indien zu kaufen oder greift man lieber zu konventionellen Produkten vom deutschen Bauern nebenan?
Die Suche nach nachhaltigeren Produktions- und Lebensweisen erfordert überall auf der Welt unterschiedliche Lösungsstrategien. In den Städten andere, als auf dem Land und in den Industrieländern andere, als in den Entwicklungsländern. Aber auch wenn die Probleme noch so abstrakt erscheinen, vor allem erfordern sie von jedem von uns konkrete Handlungen. Das Tolle daran ist, dass wir alle unseren Beitrag dazu leisten können, egal wer und egal wo wir sind. Aber es wird keine leichte Reise.
Wenn wir sie gemeinsam unternehmen wird sie vielleicht einfacher. Anstrengender als meine Suche nach der nächsten saftigen Mango wird sie auf jeden Fall.
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Matthew McDermott (pdf) arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Analyse von Lieferketten in Bezug auf soziale und ökologische Aspekte” für Ernst & Young in Stuttgart, Deutschland und Mumbai, Indien.
Geschrieben in Indien (Katja, Matthew) | 1 Kommentar »
12.9.2008 von admin.
„El Salvador - Caffeine for the senses!“
…so lautet der Titel des Lonely Planets, die „Allzweckwaffe“ der Rucksackreisenden, für El Salvador. Ich hatte zuerst einen eher wissenschaftlichen Bericht geschrieben und habe mich dann entschieden, lieber einen persönlichen und subjektiven Erfahrungsbericht zu schreiben – so gut mir das gelingt.
Ich lebe jetzt seit ca. eineinhalb Monaten in La Palma einer kleinen Stadt in den Bergen im Dreiländereck – El Salvador, Honduras und Guatemala. Bereits auf meiner ersten Fahrt vom Flughafen der Hauptstadt San Salvador hier in den Norden fiel mir die ungleiche Landverteilung auf. Aus dem Auto sah ich große Zuckerrohrfelder, die intensiv gedüngt und in der Trockenzeit bewässert werden. Diese großen Flächen und Zuckerfabriken sind ein klares Zeichen für Großgrundbesitzer. Im Gegensatz zu denen der Kleinbauern mit welchen ich in dem Kaffeeprojekt zusammenarbeite. (Im 19Jh. weitete eine handvoll Großgrundbesitzer ihren Besitz aus und enteignete die Einheimischen. Zu Beginn des 20Jh. wurden 95% des BIP durch Kaffeeexporte erzielt, wobei nur 2% der Besitzer aus El Salvador stammten.)
Bei meinen ersten Fahrten in die Kaffeefelder in der Umgebung von La Palma konnte ich ziemlich schnell die Umweltprobleme des Landes erkennen, über die ich bis dahin nur gelesen hatte: Über 95% des Primärwaldes sind verschwunden, eine Folge der nicht nachhaltigen Landnutzung. Aktuell ist Regenzeit, d.h. man sieht die problematischen Folgen nicht auf den ersten Blick, weil durch die hohen Niederschläge alles grün ist. Aber man sieht an den Straßen abgerutschte Hänge, Weidewirtschaft in Höhen von weit über tausend Meter und vor allem sehr viele einjährige Kulturen wie zum Beispiel Mais, aber in größeren Dimensionen als das man auf eine Subsistenzwirtschaft verweisen könnte. Das Hauptproblem dieser einjährigen Pflanzen ist, dass sie zu Beginn der Trockenzeit geerntet werden und somit die ganzen Hänge freiliegen und sehr anfällig für Erosion sind. Eine Folge aus der Erosion ist, dass die Wasserspeicherkapazität des Bodens nachlässt, was wiederum dazu führt, dass im Folgejahr der Anbau erschwert wird und Raubbau an den Wasserressourcen des Landes betrieben wird. Über 90% der gesamten Energieversorgung werden von Wasserturbinen in großen Staudämmen bereitgestellt. Da die jährliche Durchflussmenge konstant abnimmt, gibt es zum Ende der Trockenzeit teilweise Energieengpässe und sogar Tage ohne Strom. Eine Entwicklung, die durch den Klimawandel verstärkt wird, aber aus der Landnutzung resultiert.
Da die hochproduktiven Flächen in den Ebenen zu großen Teilen Großgrundbesitzern gehören, leben viele Kleinbauern El Salvadors seit Generationen vom Kaffeeanbau in den Bergen. Die Kaffeeplantagen sind eine angepasste Nutzungsform an die natürlichen Gegebenheiten. Man findet eine große Anzahl an Schattenbäumen, Obstbäume und somit eine hohe Artenvielfalt. Kaffee ist eine mehrjährige Pflanze und somit ist der Boden das ganze Jahr bedeckt. Außerdem übernimmt der Kaffee teilweise die Funktion des Waldes – wie CO2 Fixierung und das Halten des Wasserspiegels. Aber da es vor allem für Kleinbauern sehr schwierig ist die notwendigen Investitionen zu tätigen, um die Plantagen zu unterhalten, suchen viele Bauern nach Alternativen wie dem Maisanbau oder der Weidewirtschaft. Der Maisanbau ist vor allem auf Grund der hohen Getreidepreise lukrativ. Die Auswirkungen spüre ich am „eigenen Leib“ denn nach 3 Tagen starker Regenfälle ist das Wasser der Flüsse braun und zu meinem anfänglichen Entsetzen auch das Leitungswasser. Dann ist es also bei sehr starken Regenfällen für zwei bis drei Tage quasi nicht möglich zu duschen.
Ein weiterer Effekt, der für das Land noch von größerer Bedeutung ist, sind die Verluste der potentiellen Gewinne aus dem Tourismussektor. Costa Rica ist das Land in Zentralamerika, was weltweit als großes Vorbild im Bereich Umweltschutz durch Tourismus gilt. In Costa Rica sind 69% der Fläche Nationalparks, in Guatemala 39% und in El Salvador 3%. Obwohl das Land mindestens genauso schöne Berge und Vulkane für Wander- und Klettertouren besitzt, was ich am Wochenende natürlich ausnutze.
Zum Schluss noch eine kleine Anekdote:
Ich hatte mich am Wochenende mit meinen Arbeitskollegen Jeanne, Maria und Edgar zum Wandern verabredet. Und wir sind auf einen wunderschönen Felsen geklettert, von dem man das Dreiländereck Honduras, Guatemala und El Salvador überblicken konnte. Dieser Platz dort oben auf dem Felsen ist wunderschön, der unglaubliche Ausblick, Adler nutzen die Thermik und kreisen um unsere Köpfe. Es gibt Kolibris, lauter kleine Echsen, die sich auf den Steinen wärmen – diese Vielfalt ist unheimlicher Reichtum denke ich. Leider lag dort überall sehr viel Müll, ich störte mich nicht sonderlich daran und sonnte mich. Als ich irgendwann den Kopf hob, sah ich Maria und Edgar wie sie den Müll aufsammelten und in Tüten packten. Nach ca. einer halben Stunde hatten sie das Gröbste aufgeräumt und es sah alles noch viel schöner aus. Irgendwie ein tolles Erlebnis und für mich ein Indiz für ein vorhandenes Umwelt- und vielleicht auch Nachhaltigkeitsbewusstsein.
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Joachim Frederik Tipp (pdf) arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Nachhaltigen Kaffeeanbau im Wassereinzugsgebiet des Rio Lempa sichern” (pdf) für die Hanns R. Neumann Stiftung in Hamburg, Deutschland und La Palma, El Salvador.
Geschrieben in El Salvador (Freddie) | Keine Kommentare »
29.8.2008 von admin.
Mumbai – Aufgaben für eine nachhaltige Stadtentwicklung
Hupende Autos, chaotischer Verkehr - ich halte mich krampfhaft am Türgriff fest und hoffe nur, dass die Bremsen des Taxis gut funktionieren. Jede noch so kleine Lücke wird ausgenutzt und es gilt scheinbar das für uns „Rechts-vor-links-Vorfahrtsschilder-geprägten“ Menschen unvorstellbare Recht des Stärkeren oder Mutigeren auf der Straße. Menschenmassen strömen aus einer Unterführung auf den Bahnhof zu. Ein Queren dieser Flut scheint unmöglich. Die Stadt ist groß, voll, laut und unglaublich schnell.
Wie ist hier eine nachhaltige Stadtentwicklung vorstellbar? Welche Ansatzpunkte sind entscheidend? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der nachfolgende Beitrag.
„Im Jahre 1975 waren nur 38% aller Menschen Stadtbewohner. 2008 lebt mehr als die Hälfte der Menschheit in Städten, voraussichtlich im Jahr 2030 werden es zwei Drittel sein. Diese Umschichtung und Verdichtung der Menschheit ist historisch ohne Beispiel. Sie vollzieht sich mit einer Geschwindigkeit (zurzeit wachsen die Städte der Welt jährlich um 60 Mio. Bewohner), welche die Strategie- und Innovationsfähigkeit von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf eine harte Probe stellt. An der Spitze dieser Entwicklung stehen so genannte Megastädte mit mehr als 10 Mio. Einwohnern. Ihre Zahl wird von nur fünf im Jahr 1975 auf voraussichtlich 26 im Jahr 2015 wachsen, davon 22 in Entwicklungsländern.“ (Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Projektträger im DLR: Umwelt, Kultur, Nachhaltigkeit)
Schon der Brundtland-Bericht von 1982, welcher allgemein als Grundlage unseres Nachhaltigkeitsverständnisses gilt, widmete ein Kapitel der „urbanen Herausforderung“ und nannte Megastädte als einen der sechs zentralen Trends, die für die gemeinsame Zukunft der Menschheit entscheidend sein werden.
Megastädte, wie Mumbai in Indien, sind Brennpunkte der nachhaltigen Entwicklung, da sich hier Menschen-, Ressourcen-, Waren- und Kapitalströme verdichten und so Nachhaltigkeitsprobleme häufig geballt auftreten.
Mumbai, im Süden durch Wasser begrenzt, weitet sich immer weiter in den Norden aus. Die Mumbai Metropolitan Area umfasst ca. 4,355 km². Der Flächenverbrauch im Umland der Kernstadt ist wie auch der Ressourcenverbrauch durch die täglich pendelnden Bewohner der Vororte enorm. Der Pendlerstrom in Nord-Süd-Richtung überfordert täglich zweimal den Straßen- und Schienenverkehr. Mobilität stellt also einen wichtigen Ansatzpunkt für nachhaltige Entwicklung dar. Hier spielt auch der Umweltaspekt eine große Rolle. Die Luft ist durch das hohe Verkehrsauskommen stark belastet und durch die stetige Ausbreitung der Stadt nach Norden kommt es zur steigenden Versiegelung von Freiflächen
.
Ein weiteres Handlungsfeld ist die Verbesserung der Wohnsituation. Mumbai beherbergt den größten Slum ganz Asiens. 2001 lebten fast 50% aller Einwohner in ebensolchen Gebieten. Die Wachstumsrate der Slumgebiete steigt durch die enormen Kosten für den knappen legalen Wohnraum im Stadtgebiet stark. Auf Grund der Illegalität des Wohnraums, sind viele der Bewohner nicht an Sanitäreinrichtungen, Wasser- und Stromversorgung angeschlossen.
Ein Problem ist auch die nachhaltige Verwertung und Beseitigung von Abfällen. Um in Richtung einer umweltfreundlichen Lösung des Abfallproblems zu steuern, müssen alternative Möglichkeiten zur Deponierung erkannt und angewandt werden.
Dies alles ist nur ein kurzer Einblick in die Aspekte, die im Zuge einer nachhaltigen Stadtentwicklung beachtet werden müssen. Zu nennen sind zusätzlich die Einbeziehung von Gendergesichtspunkten, Zugang zu Bildung, effiziente Zuständigkeitsverteilung in den Bereichen Planung, Verwaltung und Finanzierung der Stadt und schließlich die Schaffung von Partizipationsmöglichkeiten der Einwohner an Entscheidungsprozessen.
Nach all den genannten Herausforderungen ist es ermutigend, dass trotz allem in Megastädten nachhaltige Trends- und Lebensmuster Fuß fassen, indem u. a. die Lebenserwartung, der Bildungsgrad und das Gesundheitsniveau der Bürger steigen bzw. deutlich über dem der ländlichen Gebiete des gleichen Landes liegen. Städte bieten wichtige Funktionen, wie Warenaustausch, Arbeitsplätze und Bildungsmöglichkeiten für ihr Umland. Andererseits ist die Stadtbevölkerung bei ihrer Nahrungsversorgung auf die regionale Landwirtschaft angewiesen. Nachhaltige Urbanisierung muss folglich auch die Umgebung mit einbeziehen und eine ausgeglichene Symbiose zwischen ländlichen und städtischen Gebieten schaffen.
Norbert Aschenbrenner zeigt in seinem Beitrag “Die grüne Hoffnung” (pdf) ein mögliches Lösungsszenario für ein nachhaltiges Mumbai auf, welches Mut macht positiv in die Zukunft zu blicken.
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Katja Goertz (pdf) arbeitet im Rahmen ihrer Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Analyse von Lieferketten in Bezug auf soziale und ökologische Aspekte” für Ernst & Young in Stuttgart, Deutschland und Mumbai, Indien.
Geschrieben in Indien (Katja, Matthew) | Keine Kommentare »
22.8.2008 von admin.
Kao San Road in Bangkok, “Centre of the Backpacker Universe”, 4 Uhr Morgens. Der Club „Gazebo“ ist nicht verraucht. Moderne thailändische Antirauchergesetze verbieten es. Ich bin in einer Gruppe von Expats und Locals unterwegs. “Expats” und “Locals” – Wörter aus dem Fachjargon eines Auslandsaufenthalters. “Expat” oder Ex-Patriot ist die gängige Bezeichnung für Ausländer in Entwicklungsländern. Also im Unterschied zu Touristen, Menschen die auf Dauer dort wohnen und ihren Lebensunterhalt verdienen. “Local”, zu Deutsch Einheimischer, ist dagegen die Pauschalbezeichnung für Einwohner der Zielländer der genannten Gruppen, egal ob es sich dabei um Thailänder, Bangladeschis oder Peruaner handelt. Französische, Australische oder Deutsche Locals scheinen dagegen nicht zu „Locals“ zu taugen. Und das nicht weil deren Herkunftsländer keine beliebten Ziele für Touristen oder Auswanderer wären. Genau so wenig gibt es bei uns „Expats“ aus Entwicklungsländern. Sie sind „Ausländer“.
Die Essenz des „Expats“ ist, dass er wenig bis keine Anstalten macht, sich wirklich in das Zielland zu integrieren und seine Verwendung des Begriffs „Local“ Symptom geringen Interesses. Den Expat Freunden wird von Unternehmungen mit „Locals“ berichtet, keine Namen, keine Hintergründe, anonym und austauschbar, scheinbar die Vermutung, diese interessierten den Gegenüber genau so wenig wie einen selbst. Es kommt mir vor wie eine neue Rand-Klassengesellschaft der Globalisierung; die Expats als Klasse unter sich, fortschrittliche Elite mit passendem elitistischem Gebaren; samstags in den verschiedenen Clubs: German Club, French Club und andere in schöner kolonialer Tradition stehende Institutionen der Abgrenzung.
Dieser Gegensatz ist nichts anderes als ein weiterer Ausdruck globalisierter Ungleichheit(en) und ein recht banaler Vertreter dieser omnipräsenten Gattung. Aber innerhalb der farbig beleuchteten Clubräume des „Gazebo“ ist er in reiner und brutal exponierter Form präsent: Expats und Locals, maskulin und feminin, Wohlstand und Bedürftigkeit treffen in eben diesen Paarungen aufeinander. Das Etablissement, weit davon entfernt, ein Bordell im eigentlichen Sinne zu sein, ist eine Kontaktbörse für „maskulin, wohlständiger Expat“ und „weibliches & hübsches Local-Mädchen“. Beide kommen in Gruppen. Ihre Motive könnten unterschiedlicher kaum sein: Expats und Touristen freuen sich über „leichte Beute“ – Thai Frauen über ihre (geringe) Chancen bei der Gewinnziehung mit Hauptgewinn Flugticket: Männliche Einheimische fehlen völlig im Bild, auf Nachfrage, weil ihnen Eintritt und Getränke dort zu teuer sind – Man stelle sich das Gegenstück in Deutschland vor.
Thailand ist kein typisches Entwicklungsland mehr. Mit einem BIP pro Kopf von knapp 8000 USD hat es bereits den Status eines Schwellenlandes erreicht. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, werden vielleicht in Zukunft Thailänder nicht länger nur Locals sondern einfach Thais sein. Vielleicht muss man dann im „Gazebo“ als Ausländer draußen bleiben.
Nachhaltigkeit heißt nicht nur Umwelt- und Ressourcenschutz. Soziale Nachhaltigkeit ist mindestens gleichberechtigt, und, das könnte uns diese Beschreibung vielleicht vor Augen führen, fängt ganz genau so bei jedem Einzelnen an. – Oder eben nicht. Gerade wo viele der Expats Menschen sind, die in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv sind; gerade wenn diese als Partner auftreten wollen, nicht mehr als göttliche Helfer; gerade wenn sie mit ihren Plädoyers für Empowerment und Ownership an die Kompetenz und Eigenverantwortung der Partner appellieren, dürfen sie nicht im Gegenzug durch ihr alltägliches Verhalten ständig das Gegenteil demonstrieren, denjenigen mangelnden Respekt zur Schau stellen, der zu Opferrollen oder Ablehnungshaltung führt.
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Tobias Baedeker arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Public Private Partnership für Sozial- und Ökostandards in der Gebrauchsartikelindustrie unterstützen” (pdf) für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn, Deutschland und Bangkok, Thailand. Das Public Private Partnership Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Tchibo GmbH durchgeführt.
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14.8.2008 von admin.
Eigentlich wollten wir einen Beitrag über unsere Erfahrungen der Mülltrennung in Peru schreiben. Leider lässt sich zu diesem Thema kaum etwas Nennenswertes sagen, da so ein System praktisch nicht existent ist. So schreiben wir über kleine Eindrücke aus unserer momentanen Wahlheimat Piura.
Auch wenn Piura praktisch inmitten einer Wüstenlandschaft liegt, gibt es immer wieder an einzelnen kleinen Stellen Grünflächen, die mühsam bewässert werden. So wirkt die Stadt ein wenig surreal. Vor allem wenn sich rund um die Stadt ein großer Müllgürtel zieht, da der Müll einfach auf einer freien Fläche vor der Stadt abgelagert wird und somit durch die Winde in alle Richtungen zerstreut wird. Innerhalb des Stadtkerns und in einzelnen urbanen Siedlungen wird dennoch versucht dem Müll und dem Sand Herr zu werden. Auch wenn der Aufwand auf den ersten Blick unsinnig erscheint, freut man sich dennoch über eine einigermaßen saubere Straße. Wenngleich man nicht darüber nachdenken sollte, wo der eben weggeschaufelte Müll denn landet. Klar darf man da gar nicht erst an Mülltrennung oder ähnliches Denken. Aber auch hier gibt es kleine Wunder, die sicherlich wirtschaftlichen Interessen dienen, aber gleichzeitig öko-ökonomisch sind. In der nächst größeren Stadt Sulliana gibt es eine Fabrik, die die leeren Plastikflaschen annimmt und wieder verwertet.
Wir treten täglich den Kampf gegen die Plastiktüten an, auch wenn es ein gar unsiegbarer Kampf zu sein scheint. Jeder Verkäufer scheint offenbar eine große Freude daran zu haben, alles doppelt und dreifach in Plastik und Papier einzupacken. Als wenn es einen Preis dafür geben würde. Allerdings damit konfrontiert zu werden, wenn einer mal keine Plastiktüten haben mag, ist ein nahezu außerirdisches Phänomen und ruft immer wieder fragende Gesichter hervor. Als würden sie uns nicht verstehen, packen sie uns ignorierend doch alles ein.
Carne, pollo! Eine uns täglich bewegende Frage bleibt jedoch: Wie es möglich ist, selbst bei den unteren Bevölkerungsschichten von der Produktion, Gesundheit und finanziellen Mitteln her, morgens, mittags und abends Fleisch zu essen? Peruaner haben irgendwie Schwierigkeiten sich Essen ohne Fleisch vorzustellen. Auch wenn wir hier feststellen, dass man in Lateinamerika mit gutem Gewissen Fleisch essen kann, da wir nur glückliche Kühe und freilaufende Hühner in den Bergen gesehen haben, wobei diese den enormen Bedarf der Bevölkerung bei weitem nicht stillen können…
Wenn man mal auf ganz kleiner Ebene schaut, dann schmunzelt man doch immer mal wieder und freut sich zum Beispiel über Energiesparlampen, die es immer wieder an unerwarteten Orten gibt; kaltes Wasser zum Duschen, da nur einmal täglich das Wasser erhitzt wird und somit Energie gespart wird; oder wenn man an einem Workshop zur Bio-Zertifizierung von Kakao, Kaffee und Zuckerrohr teilnimmt und eine blühende Diskussion zum Thema Müllmanagement im Dorf aufkommt. Und sich die Bauern darüber streiten, dass sie zwar ihre Plantagen sauber halten können, aber auch an ihre Grenzen stoßen, wenn andere Dorfbewohner achtlos ihren Abfall in den Fluss oder auf die Straße schmeißen. Erfreuliches aus den Supermärkten: Man kann kaum Produkte aus der Tiefkühltheke erstehen und der Anteil der importierten Produkte ist geringer als in europäischen Supermärkten – was ja im weiteren Sinne dem CO2-Ausstoß zugute kommt und somit auch der Nachhaltigkeit.
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Anita Augustin (pdf) und Eva Ringhof (pdf) arbeiten im Rahmen ihrer Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Anpassungsstratgien an den Klimawandel im Kaffee-/Teesektor” für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn, Deutschland und Piura, Peru. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier: “Adaptation for Smallholders to Climate Change” (AdapCC).
Geschrieben in Peru (Anita, Eva) | Keine Kommentare »
6.8.2008 von admin.
¿Sostenibilidad - qué es? – Nachhaltigkeit - was ist das?
Was für ein Land? Peru - ein Land der Kontraste - erstreckt sich 2.300 km entlang der Pazifikküste Lateinamerikas, zieht sich mitten durch die extrem hohen, schneebedeckten Anden, ist übersät mit dichtem Regenwald und speist lebenswichtiges Wasser in den Amazonas und seine Nebenarme. Eigentlich, so könnte man denken, ein reiches Land, gesegnet mit vielen natürlichen Ressourcen und einer atemberaubenden Pflanzen- und Tierwelt. Nur leider ergötzen sich an diesem Reichtum, wie wir bereits in vielen anderen Entwicklungsländern beobachten konnten, nur einige Wenige und dafür jedoch schöpfen sie aus vollen Kannen in ihre eigenen Taschen. In so einem Land, wo dir die Armut und Kinderarbeit täglich begegnet, ist es schwierig Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Verantwortung anzusprechen bzw. Zeichen davon ausfindig zu machen. Dennoch gibt es sichtbare Ansätze. Denn wie Bangladesh ist auch Peru eines der Länder, die weltweit am schlimmsten vom Klimawandel betroffen sind. In den einschlägigen Medien findet sich fast jeden Tag ein Artikel zu den Auswirkungen des Klimawandels in bestimmten Regionen oder auf Flora und Fauna.
An dieser Stelle kann man sich die Frage stellen, was hat Klimawandel denn eigentlich mit Nachhaltigkeit zu tun? Um den Klimawandel zu begegnen oder gar zu bekämpfen, wird oft gepredigt langfristig zu denken und in vielen Fällen sind sicherlich aufwändige Veränderungen von Nöten, die nur über einen langen Zeitraum hinweg realisierbar sein werden. Gleiches predigt auch der Ansatz der Nachhaltigkeit, der darauf verweist die Ressourcen von heute für die Generationen von morgen zu bewahren. Und schon haben wir zwei wissenschaftliche Konstrukte, die in einem Entwicklungsland schwer umsetzbar scheinen. Und doch finden sich einige kleine Anzeichen hier und da, die Hoffnungsschimmer weiter tragen.
Im letzten Frühjahr während des Lateinamerikabesuches unserer Bundeskanzlerin beispielsweise wurde der Aufbau eines neuen Umweltministeriums für Peru beschlossen. Erste Schritte sind bereits in die Wege geleitet worden, was ja sozusagen erst einmal ein gutes Zeichen ist, so könnte man annehmen. Auf dem zweiten Blick wird allerdings sichtbar, dass einige wichtige Bereiche wie beispielsweise die Forstwirtschaft und der Bergbau, dort wo die peruanische Industrie momentan die größten Verwüstungen anrichtet, für das Umweltministerium außen vor bleiben werden. Und schon fängt man an zu zweifeln, hat aber immer noch Hoffung. Langfristig zu denken scheint hier ein unmögliches Konstrukt zu sein. Man fragt sich beispielsweise, warum Peru weltgrößter Fischmehlexporteur ist und den ganzen Fischreichtum leerplündert, um das nahrhafte Futter in die westliche Welt zu entsenden, damit dort die Zuchttiere wohl genährt werden. Wobei es doch auf der ganzen Welt verzweifelte Aufschreie von Naturschutzorganisationen gibt, diesem Einhalt zu gebieten. Vor allem was passiert eigentlich, wenn es keine Fische mehr gibt. Perus Nationalgericht Ceviche - roher Fisch mit Zitronensauce -, wird es dann einfach nicht mehr geben, oder es wird nur noch für Priviligierte erwerbbar sein…und dann?
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Anita Augustin (pdf) und Eva Ringhof (pdf) arbeiten im Rahmen ihrer Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Anpassungsstratgien an den Klimawandel im Kaffee-/Teesektor” für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn, Deutschland und Piura, Peru. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier: “Adaptation for Smallholders to Climate Change” (AdapCC).
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29.7.2008 von admin.
4 Wochen in einem Land, das keine Ruhe und keine Ordnung kennt. 4 Wochen in einem Land mit lächelnden Menschen und tollen Erlebnissen. 4 Wochen in einem der ärmsten Länder der Welt, das in aller Regelmäßigkeit von Naturkatastrophen heimgesucht wird, und akut vom steigenden Meeresspiegel und von abschmelzendem Gletscherwasser bedroht ist. Das sind die ersten 4 Wochen Bangladesch in meinem Leben.
Das Thema Nachhaltigkeit ist der Kern unseres Programms und so dreht sich auch dieser Blog um das Thema Nachhaltigkeit.
Es fällt mir nicht leicht ein derart umfassendes Thema nach 4 Wochen für ein fremdes Land, für eine fremde Kultur zu bewerten. Dennoch möchte ich meine ganz persönlichen Erlebnisse und Eindrücke zu Papier bringen und sie in diesem Blog veröffentlichen. Kurz zur aktuellen Situation des Landes:
Bangladesch besitzt seit nunmehr 1 ½ Jahren eine Übergangsregierung, die versucht die dringendsten Probleme des Landes in den Griff zu bekommen. Für Dezember sind die Parlamentswahlen angesetzt. Die Wählerverzeichnisse sind fertig, nur überlegen derzeit noch die großen Parteien, ob sie an der Wahl teilnehmen sollen. Langfristige Fragestellungen zu diskutieren, erscheint aufgrund der täglichen Probleme nahezu unmöglich, zunächst muss die Stabilität des Staates gesichert sein.
Doch dies ist, wie so oft im Leben, nur die eine Hälfte der Wahrheit. In den Tageszeitungen befinden sich zu meiner Überraschung täglich Artikel zum Thema ‚Climate Change’, Verstädterung oder Energie- und Lebensmittelpreise. Auch in Gesprächen mit Bangladeschis bin ich immer wieder erstaunt, wie präsent ihnen das Thema Klimawandel ist. Mit etwas mehr Hintergrundwissen scheint dieser Sachverhalt jedoch klar: Bangladesch ist eines der sensibelsten Länder, was den Klimawandel angeht. Ein Anstieg des Meeresspiegels um 1,5 m würde 16 % der Landfläche unbewohnbar machen. Mehr als 15 Millionen Menschen müssten im dichtbesiedelsten Flächenstaat der Welt ihren Wohnort wechseln. Jeder Bangladeschi sollte aus reinem Eigennutzen ein Interesse an der Stabilität des Klimas besitzen.
Dennoch, im alltäglichen Leben sind viele Verhaltensweisen zu beobachten, die nicht unserem Verständnis von nachhaltiger Lebenseinstellung entsprechen.
• Regelmäßige Stromausfälle zwingen Haushalte und Unternehmen dazu, die Energieversorgung teilweise, oder gar vollständig über Diesel- oder Gasgeneratoren laufen zu lassen. Dies bedeutet schlechtere Emissionswerte als bei der Nutzung der öffentlichen Stromversorgung, die Dieselgeneratoren verschmutzen zudem direkt die Luft in der Innenstadt.
• Viele Autos entsprechen nicht den aktuellen Standards und emittieren deutlich mehr umweltschädliche Gase. Besonders die Busse des öffentlichen Nahverkehrs fallen durch düstere Abgaswolken aus ihren Auspuffrohren auf.
• Kinder müssen um die Haushaltskasse aufzubessern für 3 Euro im Monat arbeiten gehen. Für eine grundlegende Schulbildung ist in diesem Alltag kein Platz. Ihnen bleibt der soziale Aufstieg bereits ab der jüngsten Kindheit verwehrt.
Doch wieder zurück zum Klimaschutz: Trotz der offensichtlichen Mängel stellt sich immer noch die Frage, und sie wird einem auch von Gesprächspartnern hier vor Ort gestellt: „Wer ist denn verantwortlich für den bisherigen Klimawandel und wer muss seinen Lebensstil anpassen?“ Die nicht unbegründete Meinung der Menschen hier vor Ort sieht die westliche Welt in der Pflicht zu handeln.
Nichts desto trotz macht diese Erkenntnis natürlich keinen frei davon, aus den gemachten Fehlern der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Von daher sollten bei allem Respekt vor den Bedürfnissen einer sich entwickelnden Gesellschaft auch darauf hinweisen, dass insbesondere nachhaltige Entwicklung langfristig mehr Wohlstand bringen wird. Als Partner können wir unterstützend tätig werden und angemessene Vorschläge zur nachhaltigen Entwicklung unterbreiten. Nachhaltig muss vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme manchmal, auch wenn es widersprüchlich erscheint, in kleinen Schritten gedacht werden. Die Schritte mögen klein sein, aber der Weg ist begehbar.
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Jan Schmitz (pdf) arbeitet im Rahmen seiner Teilnahme am Young Leader for Sustainability Programms 2008 im Projekt “Energieeffizienz in Lieferketten der Textilindustrie fördern” (pdf) für Systain Consulting in Hamburg, Deutschland und Dhaka, Bangladesh.
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28.7.2008 von admin.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir heißen Sie herzlich willkomen auf dem Blog der TeilnehmerInnen des Pilotprojekts “Young Leaders for Sustainability” (YLS). Seit März 2008 bietet das Collective Leadership Institute e.V. (CLI) gemeinsam mit dem ASA-Programm der InWEnt gGmbH das berufsvorbereitende Qualifizierungsprogramm „Young Leaders for Sustainability“ an. Es richtet sich an Studierende und fördert den Aufbau von Führungskompetenz für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR). Partner aus der Wirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit, die sich aktiv an der Umsetzung des Pilotzyklus in 2008 beteiligen sind u. a. die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ), Ernst & Young AG, German ProfEC GmbH, Hanns R. Neumann Stiftung / EDE Consulting GmbH, die Stadtwerke Mainz AG, Systain Consulting GmbH und Tchibo GmbH.
Seit Mitte Juli sind wir, die elf TeilnehmerInnen des YLS Jahrganges 2008, nun im Ausland. Aus unseren Ländern und Projekten werden einige von uns an dieser Stelle berichten. Unsere Beiträge befassen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und ihrer konkreten Umsetzung beziehungsweise der Grenzen derselben in den Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen wir in den nächsten 3 Monaten leben und arbeiten werden.
Wir freuen uns jederzeit mit Ihnen in einen Dialog zu treten! Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion oder kontaktieren Sie uns per Email.
Eine interessante und anregende Lektüre wünschen Ihnen die TeilnehmerInnen des YLS Jahrganges 2008 aus den folgenden Ländern…
Weitere Informationen zum Young Leaders for Sustainability Programm sowie den einzelnen Projekten und TeilnehmerInnen finden Sie auf unserer Homepage: www.youngleadersforsustainability.de
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